Ich steh an deiner Krippen hier (Paul Gerhardt [1653])

Dezember 24th, 2011 by vkroll

1. Ich steh an deiner Krippen hier,
o Jesulein, mein Leben,
Ich stehe, bring und schenke dir,
was du mir hast gegeben.
Nimm hin, es ist mein Geist und Sinn,
Herz, Seel und Muth, nimm Alles hin,
und laß dirs wohlgefallen.

2. Du hast mit deiner Lieb erfüllt
mein’ Adern und Geblüte,
Dein schöner Glanz, dein süßes Bild
liegt mir stets im Gemüthe,
Und wie mag es auch anders sein,
wie könnt ich dich, mein Herzelein,
aus meinem Herzen laßen?

3. Da ich noch nicht geboren war,
da bist du mir geboren,
Und hast mich dir zu eigen gar,
eh ich dich kannt, erkoren.
Eh ich durch deine Hand gemacht,
da hat dein Herze schon bedacht,
wie du mein wolltest werden.

4. Ich lag in tiefer Todesnacht,
du wurdest meine Sonne,
Die Sonne, die mir zugebracht
Licht, Leben, Freud und Wonne.
O Sonne, die das werthe Licht
des Glaubens in mir zugericht’t,
wie schön sind deine Strahlen.

5. Ich sehe dich mit Freuden an,
und kann mich nicht satt sehen,
Und weil ich nun nicht weiter kann,
so thu ich, was geschehen.
O daß mein Sinn ein Abgrund wär
und meine Seel ein weites Meer,
daß ich dich möchte faßen.

6. Vergönne mir, o Jesulein,
daß ich dein Mündlein küsse,
Das Mündlein, das den süßten Wein,
auch Milch und Honigflüße
Weit übertrifft in seiner Kraft,
es ist voll Labsal, Stärk und Saft,
der Mark und Bein erquicket.

7. Wenn oft mein Herz im Leibe weint
und keinen Trost kann finden,
Da ruft mir’s zu: Ich bin dein Freund,
ein Tilger deiner Sünden;
Was trauerst du, mein Fleisch und Bein?
du sollst ja guter Dinge sein,
ich zahle deine Schulden.

8. Wer ist der Meister, der allhier
nach Würdigkeit ausstreichet
Die Händlein, so das Kindlein mir
anlachende zureichet!
Der Schnee ist hell, die Milch ist weiß,
verlieren doch beid’ ihren Preis,
wenn diese Händlein blicken.

9. Wo nehm ich Weisheit und Verstand,
mit Lobe zu erhöhen
Die Aeuglein, die so unverwandt
nach mir gerichtet stehen?
Der volle Mond ist schön und klar,
schön ist der güldnen Sternen Schaar,
dies’ Aeuglein sind viel schöner.

10. O daß doch ein so lieber Stern
soll in der Krippen liegen!
Für edle Kinder großer Herrn
gehören güldne Wiegen:
Ach! Heu und Stroh ist viel zu schlecht;
Sammt, Seiden, Purpur wären recht,
dich, Kindlein, drauf zu legen.

11. Nehmt weg das Stroh, nehmt weg das Heu,
ich will mir Blumen holen,
Daß meines Heilands Lager sei
auf Rosen und Violen,
Mit Tulpen, Nelken, Rosmarin
aus frischen Gärten will ich ihn
von oben her bestreuen.

12. Zur Seiten will ich hier und dar
viel weiße Lilien stecken,
Die sollen seiner Aeuglein Paar
im Schlafe sanft bedecken.
Doch liebt vielleicht das dürre Gras
dir, Kindlein, mehr, als alles das,
was ich hier nenn und denke.

13. Du fragest nicht nach Lust der Welt
noch nach des Leibes Freuden:
Du hast dich bei uns eingestellt,
an unsrer Statt zu leiden,
Suchst meiner Seelen Trost und Freud
durch allerhand Beschwerlichkeit,
das will ich dir nicht wehren.

14. Eins aber, hoff ich, wirst du mir,
mein Heiland, nicht versagen,
Daß ich dich möge für und für
in, bei und an mir tragen.
So laß mich doch dein Kripplein sein,
komm, komm und lege bei mir ein
dich und all deine Freuden.

15. Zwar sollt ich denken, wie gering
ich dich bewirten werde:
Du bist der Schöpfer aller Ding,
ich bin nur Staub und Erde.
Doch bist du ein so lieber Gast,
daß du noch nie verschmähet hast
den, der dich gerne siehet.

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O Immanuel (O Emmanuel — siebte O-Antiphon)

Dezember 23rd, 2011 by vkroll

O Immanuel,
Gott mit uns. Du König und Lehrer,
du Sehnsucht der Völker
und ihr Heiland.
Komm, o Herr, und erlöse uns,
Herr, unser Gott.

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O König der Völker (O rex gentium — sechste O-Antiphon)

Dezember 22nd, 2011 by vkroll

O König der Völker,
den sie alle ersehnen.
Du Eckstein, der das Getrennte eint.
Komm, o Herr, und befreie den Menschen,
den du aus Erde erschaffen hast.

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O Aufgang (O oriens — fünfte O-Antiphon)

Dezember 21st, 2011 by vkroll

O Aufgang,
Glanz des ewigen Lichtes,
du Sonne der Gerechtigkeit,
komm, o Herr, und erleuchte uns,
die wir sitzen in Finsternis
und im Schatten des Todes.

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O Schlüssel Davids (O clavis david — vierte O-Antiphon)

Dezember 20th, 2011 by vkroll

O Schlüssel Davids
und Zepter des Hauses Israel,
du öffnest und niemand schließt,
du schließest und niemand öffnet.
Komm, o Herr, und befreie aus dem Kerker den Gefangenen,
der da sitzt in Finsternis
und im Schatten des Todes.

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O Wurzel Jesse (O radix jesse — dritte O-Antiphon)

Dezember 19th, 2011 by vkroll

O Wurzel Jesse,
gesetzt zum Zeichen für die Völker.
Vor dir verstummen die Mächtigen,
zu dir rufen die Völker.
Komm, o Herr, und erlöse uns,
zögere nicht länger.

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O Herr (O Adonai — zweite O-Antiphon)

Dezember 18th, 2011 by vkroll

O Herr
und Fürst des Hauses Israel,
du bist dem Mose erschienen in der Flamme des Dornbuschs,
und gabst ihm das Gesetz am Sinai.
Komm, o Herr, und erlöse uns mit starkem Arm.

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O Weisheit (O Sapientia — erste O-Antiphon)

Dezember 17th, 2011 by vkroll

O Weisheit,
hervorgegangen aus dem Munde des Höchsten,
die Welt umspannst du von einem Ende zum andern,
in Kraft und Milde ordnest du alles:
Komm und lehre uns den Weg der Einsicht!

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Veni, veni Emmanuel (Kölner Gesangbuch 1722)

Dezember 16th, 2011 by vkroll

O komm, o komm, Immanuel!
Mach frei Dein armes Israel.
In Angst und Elend liegen wir,
und flehn voll Sehnsucht auf zu dir.
Freu dich, freu dich, o Israel!
Bald kommt, bald kommt Immanuel.

O komm, du wahres Licht der Welt,
das unsre Finsternis erhellt.
Wir irren hier in Trug und Wahn,
o führ uns auf des Lichtes Bahn.
Freu dich, freu dich, o Israel!
Bald kommt, bald kommt Immanuel.

O komm, du holdes Himmelskind,
so hehr und groß, so mild gesinnt.
Wir seuzen tief in Sündenschuld,
o bring ihm deines Vaters Huld.
Freu dich, freu dich, o Israel!
Bald kommt, bald kommt Immanuel.

O komm, Erlöser, Gottes Sohn,
und bring uns Gnad’ von Gottes Thron.
Die Seele fühlt hier Hungersnot;
o gib uns dich, lebendig Brot.
Freu dich, freu dich, o Israel!
Bald kommt, bald kommt Immanuel.

O komm, o komm, Gott Sabaoth,
du unser Hort in aller Not!
Mit Jesses neuem Herrscherstab
treib weit von uns die Feinde ab!
Freu dich, freu dich, o Israel!
Bald kommt, bald kommt Immanuel.

O Gott mit uns, wir harren dein,
komm, tritt in unsre Mitte ein.
Die Sünde schloß die Himmelstür,
du öffnest sie, wir jubeln dir.
Freu dich, freu dich, o Israel!
Bald kommt, bald kommt Immanuel.

(Deutsche Umdichtung der O-Antiphonen, es gibt diverse Übertragungen in die deutsche Sprache, hier wurde die aus dem Kölner Gesangbuch von 1722 gewählt — an den folgenden sieben Tagen werden nun die eigentlichen 7 O-Antiphonen folgen)

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Gott, heilger Schöpfer aller Stern (Thomas Müntzer [1523])

Dezember 11th, 2011 by vkroll

1. Gott, heylger schöpffer aller stern,
erleucht uns, die wir sind so ferr,
zurkennen deynen waren Christ,
der vor uns hye Mensch worden ist.

2. Dann es ging dier zu hertzen sehr,
das wir gefangen waren schwer
solten ewig des todes sein;
drum namst du auff dich schuld und peyn.

3. Do sich die welt zum abent want,
der breutgam Christ ward so erkant.
auß seyner mutter kemerleyn
Die junckfraw blieb zart und gantz reyn.

4. Erzeycht hat er sein groß gewalt,
das es inn aller welt erschalt,
sich müssen bigen alle knie
im hymel, hellen und alhye.

5. Alles, was durch yhn geschaffen ist
Dem gibt er kraft, wesen und frist
nach seynes willens ordnung zwar
yhn zu erkennen offenbar.

6. Wir bitten dich, o heylger Christ,
wann du künfftiger richter bist,
lehr uns hyevor deinen willen thun
und im glauben nemen zu.

7. Lob, preyß sei, vater, deiner krafft
deym zarten Sohn, der all ding schafft,
inn eynem wesen der dreyheyt,
mit dem geyst deyner heyligkeyt.

Amen.

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